Ungleicher Wettbewerb um hungrige Mitarbeiter

Vom klassischen Imbisswagen, über improvisierte Bauten, bis zu stabilen Bistros, rund um die Mergenthaler Allee ist ein umfangreicher und luftiger "Food Court" gewachsen.

Dort, wo der größte Teil der Eschborner Steuermillionen erarbeitet wird, knurren zur Mittagszeit viele tausend Mägen. Ein großes Geschäft für Gastronomiebetriebe. Aber der Konkurrenzkampf zwischen Restaurants, Bistros und Imbissbuden im Gewerbegebiet Süd mündete nun in einer Strafanzeige wegen des Verdachts der Bodenverunreinigung.

Paolo Kaufmann hat im Februar 2014 im Taunus-Tower in der Mergenthaler Allee sein Bistro „pasta poalo“ eröffnet. Schnell sprach sich auch in benachbarten Bürohäusern herum, wer heute keine Lust auf das eigene Kantinenangebot hat, der bekommt bei Paolo ein täglich wechselndes Nudelangebot, in offener Atelieratmosphäre. Der passionierte Jazzmusiker macht in seinem Bistro regelmäßig neue Kunstausstellungen.

Aber seit 2017 gehen die Umsätze bei Paolo Kaufmann und in anderen Gastronomiebetrieben rund um die Mergenthaler Alleedeutlich zurück. Der Grund: Es haben sich immer mehr Essensanbieter in Form von Imbissbuden, Foodtrucks und improvisierte Bistros aus Holz und Plastikplanen angesiedelt.

Möglich wurde dieses schnelle Angebotswachstum unter anderem, weil bisherige Parkplatzflächen im Innenbereich der Mergenthaler Allee nun als Standplatz genutzt werden. Neben Speisen aus aller Herren Länder hat sich sogar ein provisorischer Reifen- und Autoservice auf dem riesigen Schotterplatz angesiedelt.

Provisorisch deshalb, weil an dieser Stelle das Großbauprojekt „Börsenplatz“ geplant ist. Ahmet Sahin, der die Freifläche gepachtet hat und an die „Foodcommunity“ untervermietet, sagt, dass bis zum Frühjahr 2020 alles aufgeräumt sein muss.

Dieser Zeitrahmen ist für Paolo Kaufmann kein Trostpflaster. Er musste nach eigenen Angaben bereits einen Mitarbeiter entlassen, weil sein Umsatz um 40 bis 50 % zurückgegangen sei. Was ihn wütend macht sind die Bedingungen, unter denen die Imbissbetreiber ihre Speisen anbieten dürfen. Weil er unter anderem beobachtet habe, dass die Abwässer der Buden teilweise einfach in den Boden geleitet werden, kontaktierte er die Stadt Eschborn, damit diese Kontrollen vor Ort durchführt.

Zuständigkeiten, Auflagen und Pflichten

„Die Stadt Eschborn schickte mich zum Kreis und der Kreis zur Stadt.“, schimpft der Gastronom. Einen deutlichen Verstoß gegen die umfangreichen Auflagen für Gastronomiebetriebe sieht Paolo Kaufmann beispielsweise in dem fehlenden Fettabscheider der Imbissbuden. Das Putzwasser würde mittags auch einfach auf dem Schotter ausgekippt und versickere im Boden.

Auf Nachfrage des Stadtreporters, wann die städtische Ordnungsbehörde die letzte Kontrolle durchgeführt hat und mit welchem Ergebnis, teilte Pressesprecherin Beate Brendel mit:

„Die Imbissbuden haben allesamt keinen Alkoholausschank, somit handelt es sich nicht um ein erlaubnispflichtiges Gewerbe. Sie bedürfen keiner Genehmigung bzw. Konzession. Das Gewerbe kann ohne Einschränkungen und Auflagen angemeldet und ausgeübt werden.

Eine Überwachung findet durch die Ordnungsbehörde der Stadt Eschborn nicht statt, da hier eine Grundlage fehlt. Eine Kopie der Gewerbeanmeldung geht an andere Behörden wie z.B. die Lebensmittelüberwachung beim MTK.  

Inwieweit hier eine Kontrolle stattfindet, entzieht sich unserer Kenntnis.“

Ist diese Abwasserlösung zulässig?

Also, Nachfrage im Landratsamt, hier die Antwort von Pressesprecher Dr. Johannes Latsch:

„Tatsächlich gibt es unterschiedliche Vorgaben für feste Gastronomie und mobile Anbieter wie Imbissbuden, etwa bei der Lebensmittelüberwachung (Grundlage sind EU-Verordnungen). Geprüft wird auch die Zulässigkeit nach Baurecht, aber auch hier gibt es unterschiedliche Vorgaben. Manche Buden brauchen überhaupt keine Baugenehmigung. Für gewerberechtliche Fragen indes wäre die Stadt Eschborn zuständig.

Ein Termin für die letzte Kontrolle lässt sich nicht nennen. Die Kontrollen laufen nicht so, dass in einem Zug ein bestimmtes Gebiet flächendeckend kontrolliert wird, sondern es wird zum Beispiel von der Lebensmittelüberwachung vielleicht an einem Tag eine Bude kontrolliert, und die Nachbarbude erst ein paar Wochen später. Es gibt also nur Einzelergebnisse zu verschiedenen Zeiten, die keine allgemeingültige Aussage zulassen.“

Untervermieter Ahmet Sahin sagt, dass  vor ca. sechs Wochen die letzte Kontrolle durch den Main-Taunus-Kreis stattgefunden habe. Einen Fettabscheider bräuchten die Imbissbetreiber aufgrund des Speisenangebots nicht. Auch sonst sei alles in Ordnung.

Die fettfreie Zubereitung von Burgern, Bratwürsten, Pommes und asiatischen und sonstigen Imbissgerichten, auch ohne das entsprechendes Spülwasser anfällt, wäre sicherlich ein interessantes Highlight auf der nächsten Gastromesse.

Ungleiche Anforderungen

Fest steht, wer einen Gastronomiebetrieb in einem Gebäude aufmachen will, der muss zahlreiche gewerberechtliche, baurechtliche, lebensmittelrechtliche und weitere Auflagen erfüllen und hat entsprechende Kosten.

Dass es im Main-Taunus-Kreis so einfach ist mit Holzlatten, Plastikplanen und Bierbänken ein improvisiertes Bistro in einem wachsenden Gewerbegebiet wie Eschborn Süd zu betreiben, wird sicherlich weiterhin für ein umfangreiches Mittagsangebot sorgen, auch mit frittierten Pommes.

Kragen geplatzt

Paolo Kaufmann ist am Freitagnachmittag zur Polizei gefahren und hat Strafanzeige wegen Bodenverunreinigung (→ § 324a StGB) gestellt. Ob die Ermittler des Umweltdezernats Bodenproben im Bereich der Mergenthaler Allee nehmen, um zu überprüfen, ob dort tatsächlich seit 2017 Putzmittel und andere Chemikalien eingeleitet werden, bleibt abzuwarten. Ein genauerer Blick auf den etwas versteckten, improvisierten Reifen- und Autoservice wäre ebenfalls im Sinne des Umweltschutzes.


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